Urlaub kann jeder

Urlaub ist irgendwie wie Fußball – das kann jeder. Und jeder weiss es besser. Aber dass Hotel eine FACH-Disziplin ist, in dem viele Player am Punkt gemeinsam eine bestimmte Leistung bereitstellen müssen, und das jeden einzelnen Tag – das ist den wenigsten Gästen in dieser Dimension bewusst.

Ich muß immer wieder schmunzeln, wenn Leute im besten Alter mit verträumten Blick erzählen, dass sie immer schon ein Hotel haben wollten – oder auch noch machen werden. Und besonders innerlich lachen muß ich, wenn diese Menschen erzählen, dass sie eigentlich nicht mehr so viel arbeiten wollen – quasi ein kleines Hotel als Ausstieg aus dem stressigen Büro-Job – mit 14 fixen Gehältern, Urlaubsanspruch, Pensionsvorsorge.

Dann werden sie das alles ganz persönlich machen und nur frische Blumen auf den Tisch stellen und immer frisch und super gut kochen und auf alle Wünsche der Gäste eingehen – dass sie sich dabei genau nur ihre eigenen Wünsche vorstellen, wissen sie ja noch nicht.

Und das unterschiedliche Menschen ganz unterschiedliche Wünsche und Zugänge haben, lernt man ganz schnell, indem man einfach mal an einem starken Anreise-Tag an einer Reception Dienst macht.

Besonders die Samstage der Semesterferien sind für so ein Speed-Training sehr zu empfehlen. Gast-Mutter und Gast-Vater super gestresst bis zum letzten Abdruck im Büro, die Gast-Kids mega genervt, weil die Freunde woanders hin fahren und der Vater wegen dem Zeugnis schimpft, die Haube verloren, die Skijacke vergessen, der Aku leer.

Das Zimmer ist -anscheinend - nicht das gebuchte, die Matratze zu hart, der Polster zu weich, der Lift zu weit weg. Zu wenig oder zu viel Schnee, der Parkplatz nicht überdacht, der Hauslift zu langsam, das Hallenbad zu kalt, die Sauna zu heiß, die Handtücher zu hart, der Bademantel zu klein. Zu wenig Steckdosen, langsames W-Lan. Kinderspielzimmer nicht 24h geöffnet. Was? Kein Blutdruck senkendes Mittel in der Hotel-Apotheke?

Und da waren wir noch gar nicht im Restaurant. Das Abendessen für die Kinder zu spät und für die Erwachsenen zu kurz. Warum gibt es am Salatbuffet keine roten Rohnen und nur 3 verschiedene grüne Salate -der Rotwein zu alt, der Weisswein zu jung – Kein 1986 Bordaux im Keller?

Hotel ist der Kulminationspunkt aller Sehnsüchte.

 Nein – sagen wir „Ferien-Hotel“ – Noch genauer: Familien-geführtes Ferien Hotel.

Business-Hotel ist anders – ganz vereinfacht – Gutes Bett – gutes W-Lan, (fast) fertig. (Ich bin jetzt ungerecht, ich weiß -sorry).

Hotel-Kette auch. Da gibt’s immer einen Chef, der weit weg ist und irgendwelche Regeln aufstellt, die man vor Ort nicht hinterfragen und schon gar nicht ändern kann.

Kleines, Familien-geführtes Hotel muß alles können, jederzeit. Ich weiss das, ich mache diesen Spagat zwischen Wünschen der Gäste und den gegebenen Möglichkeiten seit bald 20 Jahren. Und ganz, ganz viele meiner Kollegen tun das auch.

Und lassen diesen hardcore Job so leicht aussehen, dass viele Menschen davon träumen, selbst mal so ein kleines Hotel zu haben.

Ich ziehe vor  jedem einzelnen dieser Hoteliers den Hut. Respekt vor jedem, dem es gelingt, diese Leichtigkeit und Lebensfreude auszustrahlen, die diesen Traum in den Gästen zu entfacht, mal selbst ein Hotelier zu sein. Er macht seinen Job gut – weil er ihn gelernt hat und von Herzen macht.

 

 

Das hat auch schon meine Oma Susi, die Wirtin, gewußt. Was Du gern machst, machst Du gut.  Aber können mußt schon auch  was!