Raus aus der Komfort-Zone

Raus aus der Komfort Zone

Die letzten 2 Monate war wirklich viel los. Mein neues Business mit der touristischen Vermietung und Servicierung von Apartments in Kärnten nimmt seine Fahrt auf. Ich habe zwar ein Wirtschaftsstudium, war 17 Jahre lang Geschäftsführer einer touristischen Firma mit ca. 100 Mitarbeitern, habe 12 Jahre lang ein 100-Betten 4*Hotel geleitet und war in ungefähr allen möglichen touristischen Funktionen tätig.  Aber alles das befähigt mich hierzulande nicht, ein paar Apartments in Kärnten zu vermieten. Dazu braucht es im Amts-Schimmel-Österreich die Reisebüro-Berechtigung. Und die gibt´´ es nur mit Prüfung über 7 Fächer bei der WKO. Das bedeutet 5 Wochen Kurs in St- Pölten - als Selbständige mit einer neuen Firma im Aufbau geht das nicht mit "Bildungskarenz". Ein Monat Vorbereitung auf die Prüfung und dann 4 Fächer schriftlich und 3 Fächer mündlich, verteilt auf 2 Tage. Ich bin mindestens 20x zw. St. Pölten und Kärnten hin und her gefahren, Schlafmangel und Anspannung im Handgepäck. Aber am Ende war alles gut. Ich hab es geschafft. Bestanden. Auf Anhieb. Gott sei Dank! Über 50% der Prüfungsteilnehmer sind durchgefallen, in mindestens einem Gegenstand. Die müssen nochmal ran. Und sie werden es schaffen.

 

Die Dynamik in meiner Lerngruppe war das Spannendste am ganzen Prozess, ein bunt gemischter Haufen aus Kärntnern, Tirolern, Nieder - und Oberösterreichern, Wienern, und auch Türken, Polen, Chinesen, Ägyptern, einer Libanesin und einer Malaysierin, die schon lange in Österreich leben. Die zum Teil unglaubliche Lebensgeschichten mitbringen und sich schon ganz lange sehr weit außerhalb ihrer Komfort-Zone befinden. Am meisten hat der Voll-Kasko-Wiener herumgenörgelt, dass die Unterlagen nicht ausreichend sind, wir von den Vortragenden nicht optimal vorbereitet wurden, dass der Raum zu klein, der Kurs zu lang, die Stunden zu kurz sind und die Prüfer nicht genau das fragen, was wir gelernt haben. Frechheit. Wirklich! 

 

Und dann schaut man den Nicht-Österreichern zu, Deutsch nicht deren Muttersprache, Buchhaltung, Kennzahlen, Umsatzsteuer, Reverse Charge, Pauschalreisegesetz, you name it. Kein Mux. 

 

Und bei der Prüfung - die Durchfall-Quote ist gleich verteilt, gleich viel Ösis und Nicht-Ösis sind durchgekommen bzw. durchgefallen.  Der Wiener ist durchgefallen. Die Libanesin auch. Und die Chinesin spricht ihr Mut zu - und das klingt dann so: 

 

"Dear Sura, Don´´t let anything or anybody to hurt your selfworth! From my experience as a foreigner, accept it as the austrian way! You will learn a lot of lessions through this process and become better and stronger. I have been failed enough until now, but it doesn´t mean that neither I am a looser nor have a bad life sofar. The examiners have their standards and obligations and we have our homework. Never give up, keep moving and concentrate further for your goals in life! This is only an exam. You belong to success! Big hug!" (O-Ton Whatsapp in der Lerngruppe)

 

Wo Selbstmitleid keine Kategorie mehr ist, kann Wachstum entstehen. Ich bin stolz darauf, mit solchen Menschen einen Teil des Weges gegangen zu sein. Egal, ob man es mag oder nicht, was zu tun ist, ist zu tun - dann kann man es ja gleich annehmen und Freude daran finden. 

 

Weil was Du gern machst, machst Du gut - hat schon meine Oma Susi gesagt.

Und bei ihr war Selbstmitleid ganz sicher nicht im Wortschatz.