Corona - Wir sind jetzt alle Start-Upper

Was wir in der Krise aus der Start-Up Szene lernen können

 

Das Geld ist immer knapp.

Außer bei den Unicorns. Und die sind super-selten.

Die Zukunft ist immer ungewiss. Wenn man was Neues probiert, gibt es keinen Referenz-Markt.

 Schnelligkeit ist oft der Schlüssel – nicht die Perfektion. Ver-Änderungsbereitschaft ist in der DNA vorhanden.

Und es geht ums Geld verdienen. Wie kann ich möglichst schnell von einer Idee zum Business kommen, dass dann langfristig funktioniert.

 

Die typischen Start-up buzz-words sind „disruptiv“, „skalieren“, „bootstrappen“, u.v.m.

So gesehen sind wir jetzt alle Start-Ups. Der Virus hat den Markt disruptiert, und wir müssen alle so schnell wie möglich unser Geschäft wieder zu einem erfolgreichen Business Modell entwickeln. Die alten Muster funktionieren nicht mehr.

 

Der Markt ist weg

Erschwerend kommt hinzu, dass der Markt weg ist. Der österreichische Tourismus hängt zu über 70% von internationalen Gästen ab. Der hoffnungsvolle Blick auf den heimischen Tourismus hilft uns vielleicht in ein paar Regionen über die Hochsaison im Sommer, und dann?

In 4 von 10 Hotels Einbußen über 50 %, im Durchschnitt 700.000 Euro Umsatzverlust seit dem Ausbruch von Covid-19 in Österreich, 36 % der Buchungen für den Sommer storniert und kein Ende in Sicht – da gehen selbst finanziell fitte Betriebe über kurz oder lang in die Knie, und das Licht am Ende des Tunnels ist nicht in Sicht.

 

Letzte Hoffnung heimischer Tourismus – sehr kurz gedacht

Die Grenzen werden nicht so schnell international aufgehen. Die Gäste werden nicht mehr in Scharen kommen, weil sie selbst kein Geld mehr haben. Studien zufolge wird der Sommertourismus noch irgendwie funktionieren, da Österreicher, die normalerweise ins Ausland fahren würden, zu Hause bleiben, in den typischen Urlaubsregionen – Seen, Berge, fürs Baden, Wandern, Rad fahren, Erholen. Sagen wir mal, der Wörthersee wird 2020 mit einem blauen Auge davonkommen. Aber wir wissen auch, dass die bestehenden Betriebe oder die Infrastruktur die Sehnsüchte der Gäste, die sie ja eigentlich ins Ausland treibt, hier wirklich erfüllen können. Diejenigen, die jetzt kommen, sind geborgte Gäste – sind Chance und Risiko zugleich.  

 

Hoher Aufwand – weniger Umsatz

Und noch dazu werden wir Abstand halten müssen, weniger Gäste unterbringen können, und das mit einem höheren Aufwand. Auf das ist niemand eingerichtet. Die gesamte Kostenstruktur der Betriebe funktioniert so nicht. Wir sind im Schnitt bei einer 70% Auslastung bereits bei einer Personalkostenquote von 30-40%. Weniger Gäste ist weniger Umsatz - weniger Personal ist bei höherem Aufwand nicht machbar. Der schöne Satz „Die Mitarbeiter kosten zu viel, aber verdienen zu wenig“ trifft es auf den Punkt.

Da ist Tourismus einfach kein Geschäft mehr.

 

Und noch viel weniger in Ein-Saisonen-Regionen wie am Wörthersee. Meist kleingliedrig organisiert, wenig Bau- und Entwicklungs-Dynamik, bis auf wenige Ausnahmen. Apartments, Zweitwohnsitze, leere, kalte Betten. Kaum Infrastruktur-Entwicklung. Das komplette Umfeld, die gesamte Tourismus-Entwicklung wird sich neu erfinden müssen.

 

Aber alles das können wir Betriebe jetzt nicht ändern, wir können uns maximal auf uns selbst konzentrieren. Und uns wie erfolgreiche Startups benehmen.

 

Sparen – und trotzdem intelligent investieren

Einen Kredit holen, um dann gleich weiter zu machen, wie zuvor? Das wird uns nicht retten. Die Frage stellen, was wir aus eigener Kraft stemmen können – bootstrapen eben.

Wir müssen unser Geschäftsmodell neu denken. Altes abschaffen, Neuem Platz machen – disruptiv denken, USP noch klarer definieren – und das Nutzenversprechen auf Geschäftstauglichkeit überprüfen. Das heißt, unser Geschäft schlicht neu erfinden – und das sehr rasch!

Skalieren! Leichter gesagt als getan.

 

Die 3 to Dos:

·      2020 irgendwie drüberschrammen – mit maximalem Charme und minimalen Mitteln

·      2021 Struktur bereinigen und neue Konzepte entwickeln

·      2022 besser da stehen als jemals zuvor (hoffentlich)

 

Aus der Serice "Die Gastgeberinnen" www.diegastgeberinnen.at